Der Anfang Dezember erschienene achte Band der Suhrkamp-Reihe „Deutsche Zustände” fasst die Ergebnisse 2009 der deutschen Langzeitstudie zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit” zusammen. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Veröffentlichung ist die Wirtschaftskrise und deren Folgen für das „Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit”.
Im Vergleich zu 2008 sind drei Tendenzen wahrnehmbar:
Die Zunahme von Homophobie und Antisemitismus ist dabei in direktem Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise zu sehen, da insbesondere die Befragten, die zu Homophobie und Antisemitismus neigten, die Banker als Personen für die Wirtschaftskrise verantwortlich machten und nicht das System.
Gleichzeitig stellten die Forscher eine Ablehnung von Gleichberechtigung und Schutz von schwachen Gruppen fest, die an Abstiegsängste in Krisenzeiten gekoppelt ist.
Mit der Langzeitstudie zu Gruppenbezogner Menschenfeindlichkeit werden über einen Zeitraum von 10 Jahren gruppenbezogene Vorurteile untersucht. Im Zentrum der Studie steht die These, dass die einzelnen Vorurteile als ein „Syndrom der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” aufgefasst werden können, das heißt, dass Menschen, die ausländerfeindlich sind, meistens auch zu Sexismus und Behindertenfeindlichkeit neigen.
42,6% der Europäer finden „Homosexualität ist unmoralisch, 52,9% sind dagegen, dass Lesben und Schwule heiraten können. Das ist ein Teil der Studienergebnisse zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in acht europäischen Staaten, die vom Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und
Gewaltforschung am 13. November 2009 vorgestellt wurden.
Am höchsten ist die Ablehnung in Polen (75,8% „unmoralisch”/ 88,2% gegen Homoehe), am niedrigsten in den Niederlanden (16,5% „unmoralisch”/ 17% Ablehnung für die Möglichkeit zu heiraten). Deutschland liegt dabei mit 38% Ablehnung von Lesben und Schwulen und 39,7% Vorbehalte gegen die Lebenspartnerschaft im Mittelfeld.
Insgesamt zeigt die Studie ein erschreckendes Bild über die Vorbehalte und Vorurteile gegenüber unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in Europa:
Befragt wurden jeweils 1.000 Menschen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland,
Italien, den Niederlanden, Portugal, Polen und Ungarn.
Ausführliche Darstellung der Ergebnisse als pdf