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Familiäre Gewalt

Gewalt, die durch die Herkunftsfamilie ausgeübt wird, kann sehr unterschiedliche Formen  haben. Sie äußert sich in verbaler, psychischer und körperlicher Gewalt.

Je nach Alter und Herkunft  der Jugendlichen oder jungen Erwachsenen üben Eltern oder andere Familienmitglieder Gewalt aus, indem sie zum Beispiel:

  • durch Vorhaltungen und Beschimpfungen Druck ausüben
  • gleichgeschlechtliche oder trans* Kontakte unterbinden
  • Ausgangsverbote aussprechen oder durch Einsperren, sogar die Freiheit entziehen
  • auf eine psychiatrische Behandlung drängen
  • den Entzug wirtschaftlicher Unterstützung androhen oder durchführen
  • Druck ausüben, dass Tochter oder Sohn sich verloben oder verheiraten
  • körperliche Gewalt androhen oder ausüben,
  • drohen, sich selbst oder dem/ der Jugendlichen etwas anzutun.

Häufig ist das Coming-out Auslöser für Gewaltsituationen in der Familie. Nicht immer erfolgt dies freiwillig,
z.B. wenn Eltern Emails, Sms, Briefe oder Tagebucheinträge lesen und dabei auf Hinweise zur sexuellen oder geschlechtlichen Identität des oder der Jugendlichen stoßen. Auch diese Grenzüberschreitung stellt bereits eine Form von Gewalt dar.

Hinter dem Vorgehen der Eltern stehen oft nicht eingestandene Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Homosexualität oder Transidentität. Vielfach werden diese erst deutlich, wenn sie nicht fremde Menschen betreffen, sondern das eigene Kind bzw. die eigene Familie.
Ein besonders konservatives, patriarchales Verständnis von Geschlechtsrollen und Einstellungen, die Homosexualität oder Transidentität als konträr zu den eigenen religiösen Wertvorstellungen begreifen, sind weitere Faktoren, die Gewalt durch die Familie bedingen bzw. verschärfen können.

In besonderer Weise von familiärer Gewalt betroffen, sind Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die als Schüler_in, Auszubildende_r oder Student_in noch bei den Eltern oder in einer den Eltern gehörenden Wohnung leben. Sie sind zusätzlich zur Belastung durch die Gewaltsituation mit der Suche nach einem geschützten Wohnraum konfrontiert. Während Jugendliche unter 18 Jahren hierbei die Hilfe des Jugendamtes in Anspruch nehmen können, sind ältere Jugendliche und junge Erwachsene erst einmal auf sich allein gestellt.
Einrichtungen für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche und Beratungsstellen für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*Menschen stehen für Jugendliche allen Alters als erste Anlaufstellen zur Verfügung und helfen bei der Entwicklung einer geeigneten Strategie.