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Handlungsmöglichkeiten in Situationen von Bedrohung oder körperlicher Gewalt in der Öffentlichkeit

Selbstverteidigungsspray oder Selbstverteidigungskurs?

Auch wenn Selbstverteidigungssprays das Gefühl von persönlicher Sicherheit erhöhen können, sind sie nicht unproblematisch, da in größerer Nähe oder bei Gegenwind die Gefahr besteht, selbst getroffen zu werden. Dies gilt für alle Waffen: sie können gegen die Person gewendet werden, die sie einsetzt.

Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse zielen dagegen darauf ab, Gefahrensituationen zu erkennen, eigene auch körperliche Stärken zu erleben und einfache Techniken zu erlernen, die es ermöglichen, einen Angreifer so außer Gefecht zu setzen, dass eine Flucht möglich ist.

 
Umgang mit einer konkreten Bedrohung

Im Fall von einer konkreten Bedrohung kann es sinnvoll sein, im Vorfeld Kontakt zur Polizei aufzunehmen, um abzuklären, wo die nächste Polizeidienststelle liegt und wie schnell von dort Hilfe zu erwarten ist, wenn es zu einem Übergriff kommt. Dazu kann die 110 oder die Nummer der Polizeidienststelle ins Handy eingespeichert werden, um schnell reagieren zu können.

Darüber hinaus kann es darum gehen, alle Situationen, in denen eine Bedrohung möglich ist, durchzuspielen und zu überlegen, wie sie sicherer gemacht werden können. Dazu gehört vor allen Dingen der Schutz durch Öffentlichkeit oder andere Menschen durch Absprachen mit Kolleg_innen, Freund_innen oder Nachbarn, darüber wie sie sich in einer möglichen Gefahrensituation verhalten (Polizei rufen, Hilfe holen etc.).

Sinnvoll ist es auf jeden Fall auch, Beweise für die Bedrohung zu sammeln und die Möglichkeiten, zu einer Anzeige und einem Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz zu prüfen.

 
Verhalten in einer konkreten Gefahrensituation

Wenn Sie sich in einer konkreten Gefahrensituation befinden und nicht mehr flüchten können, ist es wichtig möglichst schnell Dritte auf die eigene Situation aufmerksam zu machen, um Hilfe zu erhalten. Mittel dazu können sein:

  • Lärm zu machen z.B. mit einer Trillerpfeife oder durch Schreien,
  • Aufmerksamkeit zu erregen z.B. durch „Feuer”-Rufe, das Einschlagen von Scheiben oder das Drücken möglichst vieler Klingelknöpfe
  • das direkte Ansprechen von Passant_innen oder Zeug_innen.

Um die Identifikation zu erhöhen und vorhandene Hemmungen zu überwinden, ist es sinnvoll, sich direkt an eine Person zu wenden und möglichst konkrete Anweisungen wie „Rufen Sie die Polizei!“ zu geben.


Gemeinsame Handlungsstrategien

Aus der Anti-Gewalt-Bewegung ist eine Vielzahl von Strategien entstanden, um gegen Täter_innen vorzugehen und weitere Übergriffe zu verhindern. Das sind zum Beispiel:

  • die Tat und die Tatumstände über die Presse oder über Plakate zu veröffentlichen, um andere potentielle Opfer zu warnen und die Täter abzuschrecken
  • über Hilfs- und Schutzmöglichkeiten vor Ort zu informieren
  • kostengünstige Möglichkeiten zu organisieren, um nachts sicher nach Hause zu gelangen, wie z.B. die Veröffentlichung von Treffpunkten und Mitfahrgelegenheiten, sowie die öffentliche Einforderung von Frauentaxis